Sonntag, 21. Februar 2016

Am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen stellt man sich die Entstehung des Lebens...

Am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen stellt man sich die Entstehung des Lebens dahingehend vor, dass es Anfangs noch keine fest definierten Arten gab, sondern die Gene der ursprünglichsten anaeroben Bakterien frei flottierend zwischen den Lebenwesen hin und her gegeben worden sind. Ein interessanter - aber vielleicht auch sonderbarer - Gedanke!

Er macht jedenfalls darauf aufmerksam, dass es ja eigentlich schon merkwürdig ist, dass das Leben auf der Erde durchgängig so scharf umrissen und per Genetik in ARTEN aufgeteilt ist. Das scheint doch schon auch ein bemerkenswerter Umstand zu sein. In der Tat, man könnte sich ja denken, ja, man wird sogar denken MÜSSEN, dass es eine Phase gab, in der der Eigen'sche Hyperzyklus - Proteine synthetisieren Gene, Gene synthetisieren Proteine - noch nicht so artmäßig festgelegt gewesen ist. Und in dieser Zeit gab es dann natürlich auch noch keine Arten.

Warum wurde das dann aber ab einem bestimmten Zeitpunkt so streng nach Arten geschieden? Und wie? Es muss damit ja verbunden sein eine Unterscheidung zwischen "fremd" und "eigen", die Erkennung artverwandter und artfremder Lebewesen, sprich, die ersten Immungene und -proteine.

Es wäre spannend, mal danach zu fragen, wie schon die ursprünglichsten bekannten Bakterienarten genetische Nähe oder Ferne anderer Bakterien erkennen können und ob diese Fähigkeit nicht zu einem weiteren definierenden Kriterium von Leben überhaupt erklärt werden muss.
https://www.mpg.de/9744482/evolution-erste-art

Samstag, 20. Februar 2016

In diesem neuen Artikel von "Spektrum der Wissenschaft" wird für uns "nordische Menschen" "nordische Diät"...

In diesem neuen Artikel von "Spektrum der Wissenschaft" wird für uns "nordische Menschen" "nordische Diät" empfohlen, unter anderem auch deshalb, weil immer klarer wird, dass die Menschen weltweit genetisch UNTERSCHIEDLICH an traditionelle Ernährungsgewohnheiten angepasst sind. Gesünder ist also für Nordeuropäer nordische Diät anstelle der bislang von Ernährungsexperten befürworteten mediterranen Diät!

Darüber sollte man mit sich mit seinen Mitmenschen künftig so oft austauschen wie nur immer möglich. Denn dort, wo es man versteht, dass es genetische Anpassungen gibt an traditionelle Ernährung, dort wird man auch leichter verstehen, dass es auch genetische Anpassungen gibt an alle anderen Bereiche menschlicher Kultur. Und da nicht zuletzt Sympathisanten der Partei "Die Grünen" sich ja auch dankenswerterweise für gesunde Ernährung sehr interessieren, sollte es vielleicht auch bei ihnen einmal "Klick" machen und sie verstehen, dass moderne Gesellschaften und moderne Lebensweise von jenen geschichtlich entwickelt worden sind, die sie heute noch LEBEN, nicht von jenen, die - als kinderreiche Zuwanderer - diese Kultur künftig weiter tragen sollen.

Nein: Sie werden - gesunderweise - nicht nur anderes ESSEN, sondern auch anderes LEBEN.
http://www.spektrum.de/news/new-nordic-diet-statt-mittelmeerdiaet/1398774

Dienstag, 26. Januar 2016

Eine sieben Meter lange Göttinnen-Wand am Bodensee entdeckt, 4000 v.

Eine sieben Meter lange Göttinnen-Wand am Bodensee entdeckt, 4000 v. Ztr., das halte ich für wahnsinnig sensationell. Auf der Lehmwand sind sieben "Göttinnen" oder "Mütter" abgebildet. Hier wird deutlich, dass die Bildwelt, die man aus Anatolien kennt - seit dem Göbekli Tepe 11.000 v. Ztr. - sich mit der Seßhaftigkeit und dem Ackerbau (ab 5.700 v. Ztr.) auch in Mitteleuropa verbreitet hat. "Urtümlich". "Unheimlich" im wahrsten Sinne des Wortes.


http://www.spektrum.de/alias/bilder-der-woche/jungsteinzeitliche-busenwand/1395735

Samstag, 16. Januar 2016

In dem Buch "Lucy to Language" von 2014 führt Robin Dunbar seine Monogamie-These zur Gehirn-Evolution weiter.

In dem Buch "Lucy to Language" von 2014 führt Robin Dunbar seine Monogamie-These zur Gehirn-Evolution weiter. Scheinbar nirgendwo wird darüber geredet.

Dabei: Schon das Inhaltsverzeichnis liest sich unglaublich spannend. Das erste Kapitel, das Online frei zu lesen ist, ebenfalls. Es macht mir zunächst klar, dass ich in meinen Blogbeiträgen zu diesen Forschungen NICHTS falsch verstanden hatte. Dunbar sagt es hier wieder ganz genauso.

Und er führt aus, dass man inzwischen weiß, dass es NICHT das Eltern-Verhalten ist, das sozusagen die Gehirnevolution vorangetrieben hat (oder umgekehrt), sondern LEBENSLANG monogames Verhalten. Das muss man sich dringend alles noch genauer anschauen!


https://global.oup.com/academic/product/lucy-to-language-9780199652594?cc=de&lang=en&

Samstag, 9. Januar 2016

Soziale Monogamie fördert Gehirn-Evolution - Nicht genetisch vorgegebene Monogamie

Dass monogamer lebende Arten der Tendenz nach auch die jeweils intelligenteren Arten einer Artengruppe sind, dass Monogamie also Intelligenz-Evolution förderte, wusste schon Konrad Lorenz (wie hier auf dem Profil schon früher erwähnt). Und das ist 2007 von Susanne Shultz und Robin I. M. Dunbar (ohne dass sie von K. Lorenz dabei wussten) im genauen Artenvergleich ebenfalls aufgezeigt worden (wie auf meinem Blog "Studium generale" vor einigen Jahren berichtet). Monogamere Arten haben im Artenvergleich größere Gehirne (wobei jeweils die Unterschiede der Körpergröße, die auch Gehirngröße bestimmen, herausgerechnet werden).

Nun erschien 2013 eine Studie, die auch nach dem Unterschied fragte, ob

  1. eine Art rein GENETISCH monogam lebt und deshalb keine Vaterschaften kennt, die außerhalb des jeweiligen Paares entstanden sind, oder ob
  2. eine Art SOZIAL monogam lebt, das heißt, wo bis zu ein Drittel oder mehr der von einem Paar aufgezogenen Nachkommen nicht von dem Vater stammen, der sie aufzieht, sprich, die also außerhalb des Paares ("außerehelich") gezeugt wurden.

Letztere werden offensichtlich deshalb von den Forschern monogam genannt, weil sie eben normalerweise als Paar leben.

Und diese Studie findet nun, dass die "soziale" Monogamie viel klarer mit Gehirngröße korreliert, als die bloß "genetische". Und zwar insofern, als Arten um so größeres Gehirn haben, um so MEHR außereheliche Nachkommen sie haben. Doch gilt diese Korrelation nur bis zu einem Schwellenwert von einem Drittel außerehelicher Nachkommen. Ziehen Paare in einer Art im Durchschnitt über ein Drittel Nachkommen auf, die nicht vom männlichen Elterntier abstammen, hat dieser Umstand keine Auswirkung mehr auf ein vergrößertes Gehirn.

Leider bilden nur 42 Vogelarten die Datengrundlage für diese Aussagen (da für die übrigen 1.440 Vogelarten, für die Daten zusammengestellt wurden, nicht alle notwendigen Daten bislang vorliegen). Aber sollte sich dieses Forschungsergebnis weiterhin verifizieren, würde es ja manches Nachdenken herausfordern müssen.

Sprich: Offenbar erst eine vorliegende Verhaltens-TENDENZ zu außerehelichen Aktivitäten scheint jenen selektiven Druck zu bilden, der zu größerer Gehirngröße führt. Ist diese Tendenz jedoch zu groß (über ein Drittel außereheliche Nachkommenschaft), wirkt sie sich negativ auf Gehirnevolution aus.

Im übrigen bestätigt die Studie die Ergebnisse schon von Adolf Portmann, dass Nesthocker größere Gehirne haben als Nestflüchter, und dass auch die Intensität der elterlichen Fürsorge mit Gehirngröße korreliert. 

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  1. Rhiannon J. D. West: The evolution of large brain size in birds is related to social, not genetic, monogamy. Biological Journal of the Linnean Society, 2014, 111, 668-678, 16 January 2014 (Resg) http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bij.12193/abstract

Samstag, 12. Dezember 2015

Wühlmäuse - Monogamie und Gedächtnisleistung

Wühlmäuse - Monogamie und Gedächtnisleistung

Dass amerikanische Berg- und Präriewühlmäuse aufgrund unterschiedlicher Genetik eines Vasopressin-Rezeptorgens sich entweder monogam oder polygam verhalten, ist schon seit einigen Jahren bekannt. Die These, dass viele Vasopressin-Rezeptoren im Gehirn die Gedächtnisleistung vergrößern und sich damit verstärkend auf das monogame Verhalten auswirken, wurde erstmals 2009 geäußert und wird in einer gerade erschienenen Studie weiterverfolgt.

Diese These könnte natürlich hervorragend zu der These von Robin Dunbar passen und diese genauer erläutern, nämlich dass es ein Wechselspiel gibt zwischen monogamem Verhalten und Gehirn-Entwicklung über einen weiten Bereich des Artenstammbaums der Säuger und Vögel hinweg. Um so monogamer eine Art lebt, um so größer ihr Gehirn, zumindest im Artvergleich. Und diese Relation gilt nach Dunbar für einen großen Teil der Säuger und Vögel außerhalb des Primatenstammbaums.

Bei den Primaten hatte er ja schon zuvor einen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und GRUPPEN-Größe festgestellt.

Und nun wird die These aufgestellt: Es kommt bei monogamem Verhalten nicht zuletzt auch einfach nur auf Gedächtnisleistungen an. Kein schlechter Gedanke! Übrigens wirken ja auch Prägungen (auf primäre Bezugspersonen, bzw. Geschlechtspartner) wohl schlicht Gedächtnis-verstärkend.

Doch in den Studien von 2009 und in der aktuellen wird nur auf Gedächtnisleistungen hinsichtlich des Territoriums und zuvor geschehener aggressiver Akte von Nachbarn abgehoben und es wird vermutet, dass genetisch polygame Tiere einfach die Territoriengrenzen und frühere aggressive Akte ihrer Nachbarn - - - "vergessen". Und dass dieses Verhalten vorteilhaft ist bei großer Populationsdichte (die bei den monogamen Bergwühlmäusen nicht gegeben ist).

Der Gedanke, dass monogame Tiere auch einfach nur häufiger an ihrern Geschlechtspartner denken könnten, ihn weniger "vergessen" könnten, wird von den Forschern nicht erörtert. Das könnte einen etwas wundern. Hauptautorin ist eine Frau und Doktorandin, der Rest sind vier Männer.

Verlaufen die sich einfach in der Großstadtwüste, wenn sie in sich polygame Tendenzen spüren? Können sie es für wahrscheinlich halten, dass polygame Tendenzen insbesondere verstärkt werden durch das Vergessen von aggressiven Akten gehörnter Ehemännern ihnen gegenüber? Ein etwas merkwürdiges Raisonement. ......
http://www.sciencemag.org/content/350/6266/1310.full

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Ich schätze den Mainzer Archäologen Detlef Gronenborn sehr, habe seine Arbeit schon vor Jahren gründlich auf meinem...

Ich schätze den Mainzer Archäologen Detlef Gronenborn sehr, habe seine Arbeit schon vor Jahren gründlich auf meinem Blog "Studium generale" rezipiert. Mich beschleicht nur der Verdacht, dass er in diesem Artikel dem Zeitgeist zu viele Tribute zollt.

Sehr viel richtiger wäre - auch beim Blick auf diese Karte - zu sagen: Die Ausbreitung des Ackerbaus vollzog sich in einer Abfolge von Ethnogenesen (Volkwerdungen) und Untergängen von Völkern. Damit verbunden sind auch Migrationen, ja. Aber sie sind nur ein Teil des Gesamtbildes.

Bevor sich der Ackerbau ausbreitete in Europa, haben dort auch Völker gelebt. Diese starben aus oder vermischten sich mit Zuwanderern genetisch und kulturell. Dadurch entstanden NEUE Völker. Diese konnten viele Jahrhunderte stabil das gesellschaftliche Bild bestimmen (etwa Bandkeramik, Trichterbecher etc.). Es erfolgten dann auch Zusammenbrüche von Gesellschaften und Völkern - demographisch und kulturell.

Dann gab es erneut Zuwanderungen, die sich mit Einheimischen vermischten - genetisch und kulturell. Es entstanden NEUE Völker.

Die Betonung liegt für mich darauf, dass der Mensch ein kulturelles und soziales Wesen ist (zoon politikon) und auch als solches evoluiert und sich geschichtlich entwickelt, sprich vornehmlich in Sprachgemeinschaften, Kulturgemeinschaften. Sie stellen einen wesentlichen Selektionsfaktor dar, sowohl auf kulturellem wie genetischem Gebiet.

Menschen sind nicht frei flottierende "Moleküle" im Geschichtsverlauf, sondern leben und bewegen sich als Angehörige einer Kulturgemeinschaft, einer genetisch sich untereinander ähnelnden Bevölkerung. Sie tragen diese ihre Volkszugehörigkeit mit sich, wohin sie gehen. Als erstes fragen wir bei einem Menschen anderer Volkszugehörigkeit immer erst einmal - intuitiv - danach, welchem Volk er angehört. Und glauben damit, viel über ihn zu erfahren.

Völker und Kulturen haben sich fast immer gegen ihren eigenen Untergang gewehrt. Mitunter mit Erfolg. Darauf beruht der Mythos der Perserkriege des demokratischen Griechenland. Zum Beispiel. Darauf beruht der Mythos der Schlacht im Teutoburger Wald (Kalkriese) und so weiter und so fort.

Bitte also - wenn möglich - ein VOLLSTÄNDIGES Bild der bisherigen Kulturgeschichte Europas und der Nordhalbkugel zeichnen.

http://archaeologik.blogspot.de/2015/10/europaische-gesellschaften-beruhen-auf.html