Moderne, naturwissenschaftliche Rassenpsychologie
Vorsichtig und behutsam näherte sich "Spektrum der Wissenschaft" schon 2016 an diese an.
https://www.spektrum.de/magazin/kulturelle-neurowissenschaft-eine-frage-der-kultur/1413582
https://www.spektrum.de/magazin/kulturelle-neurowissenschaft-eine-frage-der-kultur/1413582
Evolution - Evolutionäre Anthropologie - Geschichte und Gesellschaft
Samstag, 22. September 2018
Donnerstag, 20. September 2018
Ängstliches oder wutschnaubendes Gesicht?
Ängstliches oder wutschnaubendes Gesicht?
Unterschiede in der Gesichtswahrnehmung zwischen westlichen und melanesischen Gesellschaften
Ein um Luft ringendes Gesicht ("gasping face") wird in westlichen Gesellschaften in der Regel als ein ängstlicher Gesichtsausdruck bewertet wie zahlreiche Studien erbrachten.
Und in der Forschung wurde ja auch schon festgestellt, daß überdurchschnittlich häufig kriminelle Menschen in westlichen Gesellschaften einen ängstlichen Gesichtsausdruck nicht von einem aggressiven Gesichtsausdruck unterscheiden können. Sind vielleicht in diesen Menschen einfach archaischere Formen von Gesichtswahrnehmung und emotionaler Wahrnehmung aktiviert?
Eine Studie aus dem Jahr 2016 (1, 2) stellte nämlich fest, daß auch die Trobriander in Melanesien um Luft ringende Gesichter nicht im Wesentlichen als ängstliche Gesichter, sondern als aggressive, wütende Gesichter interpretieren.
1. http://www.pnas.org/content/pnas/113/44/12403/F4.large.jpg
2. The fear gasping face as a threat display in a Melanesian society
Carlos Crivelli, James A. Russell, Sergio Jarillo, and José-Miguel Fernández-Dols
PNAS November 1, 2016 113 (44) 12403-12407; published ahead of print October 17, 2016 https://doi.org/10.1073/pnas.1611622113, http://www.pnas.org/content/113/44/12403
Unterschiede in der Gesichtswahrnehmung zwischen westlichen und melanesischen Gesellschaften
Ein um Luft ringendes Gesicht ("gasping face") wird in westlichen Gesellschaften in der Regel als ein ängstlicher Gesichtsausdruck bewertet wie zahlreiche Studien erbrachten.
Und in der Forschung wurde ja auch schon festgestellt, daß überdurchschnittlich häufig kriminelle Menschen in westlichen Gesellschaften einen ängstlichen Gesichtsausdruck nicht von einem aggressiven Gesichtsausdruck unterscheiden können. Sind vielleicht in diesen Menschen einfach archaischere Formen von Gesichtswahrnehmung und emotionaler Wahrnehmung aktiviert?
Eine Studie aus dem Jahr 2016 (1, 2) stellte nämlich fest, daß auch die Trobriander in Melanesien um Luft ringende Gesichter nicht im Wesentlichen als ängstliche Gesichter, sondern als aggressive, wütende Gesichter interpretieren.
1. http://www.pnas.org/content/pnas/113/44/12403/F4.large.jpg
2. The fear gasping face as a threat display in a Melanesian society
Carlos Crivelli, James A. Russell, Sergio Jarillo, and José-Miguel Fernández-Dols
PNAS November 1, 2016 113 (44) 12403-12407; published ahead of print October 17, 2016 https://doi.org/10.1073/pnas.1611622113, http://www.pnas.org/content/113/44/12403
Dienstag, 18. September 2018
Unser moderner Altruismus
Unser moderner Altruismus
Er evoluierte als gruppenegoistische Kooperation in Zwischengruppen-Konkurrenz
Das Buch "A cooperative species" von Samuel Bowles und Herbert Gintis aus den Jahren 2011, bzw. 2013 (1) scheint mir bis heute der differenzierteste wissenschaftliche Versuch zu sein, den Altruismus, das heißt die Aufopferungsbereitschaft und damit die Kooperationsfähigkeit moderner arbeitsteiliger Gesellschaften zu erklären. Es argumentiert sowohl auf der proximaten wie auch auf der ultimaten Ebene, also auf der Ebene des Phänotyps und seiner Mechanismen wie auch auf der Ebene der Gene und ihrer Überlebensrationalitäten.
In einer Rezension aus dem Jahr 2016 wird eine sehr gute Zusammenfassung und ein sehr guter Inhaltsüberblick zu diesem Buch gegeben. Da heißt es (2):
"Chapter 1 provides a concise and useful summary of the book."
Die Hauptthemen des Buches sind "inklusive Fitneß" (also Verwandtenaltruismus) und "Gegenseitigkeit", also die Grundkonzepte der Soziobiologie. Aber das Buch erörtert auch, ob und warum diese beiden Erklärungsprinzipien auf der ultimaten Ebene bislang noch unbefriedigend erscheinen, um sowohl die Stabilität als auch die Anfälligkeit von Kooperation in modernen arbeitsteiligen Gesellschaften zu erklären. Der eigene Neuansatz der Autoren wird dann in Kapitel 6 vorgestellt (2):
"In chapter 6, Bowles and Gintis review this evidence as well as the ethnography and history of pre-state societies. This is where the book shines. Rather than postulate about our past, they document it using the latest evidence. I am unaware of any other source that provides such a detailed and thorough review. And the picture that emerges is not a world of small, isolated bands. Instead, our ancestors seem to have lived in groups of several hundred, been cosmopolitan (complete with far-flung co-insurance, trading, mating, and other social networks), and warlike. In short, they were a lot like us, only on a smaller scale. I’d recommend the book for this chapter alone."
Die Inhalte dieses Kapitels sind mir in einzelnen, an prominenter Stelle veröffentlichten Aufsätzen der Autoren schon bekannt geworden. Aber es dürfte interessant sein, ob das Kapitel diesen Aufsätzen noch weitere Gedankenansätze hinzufügt oder auch die Aufsätze selbst noch besser erläutert.
Im Kapitel 8 wird noch einmal "parocial altruismus" erörtert, also gruppenegoistischer Altruismus. Abschließend schreibt der Rezensent (2):
"The core argument Bowles and Gintis make is that our evolutionary past was characterized by within-group cooperation and between-group competition."
_____________________________________________
1. Samuel Bowles and Herbert Gintis: a cooperative species. Princeton University Press, Princeton, 2013, 280 pp, http://library.uniteddiversity.coop/Cooperatives/A_Cooperative_Species-Human_Reciprocity_and_Its_Evolution.pdf
2. Rezension von Karthik Panchanathan im "Journal of Bioeconomics", 2016, https://link.springer.com/article/10.1007/s10818-016-9214-y
https://link.springer.com/article/10.1007/s10818-016-9214-y
Er evoluierte als gruppenegoistische Kooperation in Zwischengruppen-Konkurrenz
Das Buch "A cooperative species" von Samuel Bowles und Herbert Gintis aus den Jahren 2011, bzw. 2013 (1) scheint mir bis heute der differenzierteste wissenschaftliche Versuch zu sein, den Altruismus, das heißt die Aufopferungsbereitschaft und damit die Kooperationsfähigkeit moderner arbeitsteiliger Gesellschaften zu erklären. Es argumentiert sowohl auf der proximaten wie auch auf der ultimaten Ebene, also auf der Ebene des Phänotyps und seiner Mechanismen wie auch auf der Ebene der Gene und ihrer Überlebensrationalitäten.
In einer Rezension aus dem Jahr 2016 wird eine sehr gute Zusammenfassung und ein sehr guter Inhaltsüberblick zu diesem Buch gegeben. Da heißt es (2):
"Chapter 1 provides a concise and useful summary of the book."
Die Hauptthemen des Buches sind "inklusive Fitneß" (also Verwandtenaltruismus) und "Gegenseitigkeit", also die Grundkonzepte der Soziobiologie. Aber das Buch erörtert auch, ob und warum diese beiden Erklärungsprinzipien auf der ultimaten Ebene bislang noch unbefriedigend erscheinen, um sowohl die Stabilität als auch die Anfälligkeit von Kooperation in modernen arbeitsteiligen Gesellschaften zu erklären. Der eigene Neuansatz der Autoren wird dann in Kapitel 6 vorgestellt (2):
"In chapter 6, Bowles and Gintis review this evidence as well as the ethnography and history of pre-state societies. This is where the book shines. Rather than postulate about our past, they document it using the latest evidence. I am unaware of any other source that provides such a detailed and thorough review. And the picture that emerges is not a world of small, isolated bands. Instead, our ancestors seem to have lived in groups of several hundred, been cosmopolitan (complete with far-flung co-insurance, trading, mating, and other social networks), and warlike. In short, they were a lot like us, only on a smaller scale. I’d recommend the book for this chapter alone."
Die Inhalte dieses Kapitels sind mir in einzelnen, an prominenter Stelle veröffentlichten Aufsätzen der Autoren schon bekannt geworden. Aber es dürfte interessant sein, ob das Kapitel diesen Aufsätzen noch weitere Gedankenansätze hinzufügt oder auch die Aufsätze selbst noch besser erläutert.
Im Kapitel 8 wird noch einmal "parocial altruismus" erörtert, also gruppenegoistischer Altruismus. Abschließend schreibt der Rezensent (2):
"The core argument Bowles and Gintis make is that our evolutionary past was characterized by within-group cooperation and between-group competition."
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1. Samuel Bowles and Herbert Gintis: a cooperative species. Princeton University Press, Princeton, 2013, 280 pp, http://library.uniteddiversity.coop/Cooperatives/A_Cooperative_Species-Human_Reciprocity_and_Its_Evolution.pdf
2. Rezension von Karthik Panchanathan im "Journal of Bioeconomics", 2016, https://link.springer.com/article/10.1007/s10818-016-9214-y
https://link.springer.com/article/10.1007/s10818-016-9214-y
Angeborene Neigungsunterschiede zwischen Völkern und Rassen
Angeborene Neigungsunterschiede zwischen Völkern und Rassen
In diesem Artikel wird ein Buch darüber besprochen, das schon 2012 erschienen ist. Es wird die unterschiedliche Häufigkeit der Neigung zu ADHS und Depression erörtert und die Folgen, die sich daraus ergeben.
https://notpoliticallycorrect.me/2018/09/16/do-genes-and-polymorphisms-explain-the-differences-between-eastern-and-western-societies/
In diesem Artikel wird ein Buch darüber besprochen, das schon 2012 erschienen ist. Es wird die unterschiedliche Häufigkeit der Neigung zu ADHS und Depression erörtert und die Folgen, die sich daraus ergeben.
https://notpoliticallycorrect.me/2018/09/16/do-genes-and-polymorphisms-explain-the-differences-between-eastern-and-western-societies/
Sonntag, 16. September 2018
Sitten, Bräuche und Gewohnheiten - Wie sehr darf man sie verändern?
Sitten, Bräuche und Gewohnheiten - Wie sehr darf man sie verändern?
Die menschliche Kulturpsychologie hält viele Geheimnisse bereit. In einem neuen evolutionspsychologischen Buch wird manches Geheimnis berührt und auf dasselbe neues Licht geworfen. Ein Rezensent hält darüber fest (1):
"Intriguingly, cultural techniques are often acquired and used without people in the community knowing how they work or why they are needed. People in small-scale societies usually name “customs” as the main reason behind some cultural rituals like food processing. This processing often consists of causally opaque techniques, like putting ash in a corn mix before heating, to avoid niacin deficiency. A lot of harm or even death may result from not using those cultural rituals and these societies would be worse off if they would not use them. Sometimes these rituals only work if people do not know why they use them (e.g. divination to avoid problems with the Gambler’s fallacy)."
Hier geht es also um gesunde Nahrungszubereitung in Naturvölkern, die über die Generationen hinweg als "Brauch", "Gewohnheit" aufrecht erhalten wird, obwohl die Menschen gar nicht (mehr) wissen, welchen Sinn dieser "Brauch'" eigentlich hat, während hinwiederum die moderne Wissenschaft durchaus erkennt, daß ein solcher Brauch einen Sinn hatte und hat. Gerne kann der Fortbestand eines Brauches, einer Gewohnheit über die Generationen hinweg auch abgesichert werden, indem er in geheilige Rituale eingebunden ist oder in Bezug zu ihnen gesetzt wird.
Was also geschieht, wenn ein Volk von seinen traditionellen Bräuchen, Sitten und Gewohnheiten getrennt und entfernt wird? Es geht damit auch die unbewußte Weisheit verloren, die in diesen Bräuchen, Sitten und Gewohnheiten enthalten ist. So etwa die Weisheit, daß gemeinsames Singen lebenszugewandter seelenvoller Lieder, gemeinsames Tanzen lebenszugewandter, seelenvoller Tänze - wie dies Jahrtausende lang in unseren Breitengraden üblich war - der seelischen Gesunderhaltung der Menschen über viele, viele Generationen hinweg gedient hat und auch heute noch dienen könnte - wenn es denn nicht lebens-, kultur- und gemeinschaftsfeindliche Ideologien gäbe, die uns schon seit Jahrzehnten solche Bräuche lächerlich zu machen bemüht sind und an Stelle derselben lebensfeindliche Bräuche, Sitten und Gewohnheiten setzen wollen.
Mit "Gamler's fallacy" ist übrigens der "Spielerfehlschluß" gemeint, der darin besteht (siehe Wikipedia), daß man glaubt, daß wenn lange Zeit ein zufälliges Ereignis nicht mehr eingetreten ist, die Wahrscheinlichkeit, daß es eintreten wird, erhöht sei. Dem ist aber nicht so. Ein zufälliges Ereignis bleibt immer ein zufälliges Ereignis und wird durch die "Vorgeschichte" anderer zufälliger Ereignisse nicht beeinflusst. (Welcher Zusammenhang allerdings zu der Beibehaltung von Bräuchen bestehen soll, deren eigentlichen Sinn man oft gar nicht mehr recht versteht, sei hier dahin gestellt.)
Joseph Henrich ist desweiteren ein Anhänger der Gruppenselektions-Theorie (1):
"One of the most important factors for spreading pro-social norms in a group seems to be intergroup competition. The group which possesses better social norms could be able to wipe out or assimilate another group with inferior social norms."
Diese Gruppenselektion dürfte bei der Entstehung von Völkern, die nachmalig großen kulturellen und demographischen Erfolg hatten wie den Indogermanen, den Bandkeramikern oder dem anatolisch-neolithischen Volk, das um 6.500 v. Ztr. entstand, eine keineswegs geringe Rolle gespielt haben. Auch ihre erfolgreiche Ausbreitung stellt ja eine Form von Gruppenselektion dar. Ganz richtig heißt es in der Rezension (1):
"A tribal band with better social norms could just be able to outlast another one in harsh and hostile environments. Different social norms can also spread through migration, learning, and adopting from more successful groups. Intergroup competition, therefore, shapes cultural evolution in a big way. Over time it leads to bigger community sizes and more political complexity which again lead to even more effective social bonding."
Gruppen werden zusammengehalten von der schon von Elisabeth Noelle-Neumann ("Die Schweigespirale") so gut erforschten "Isolationsangst". Henrich spricht anstelle dessen von "norm violaters", also von Menschen, die die Gruppennorm infrage stellen und deshalb - in den Worten Noelle-Neumanns - mit Isolation und Ausgrenzung bestraft werden.
Warum es aber eben auch diese "norm violaters" gibt, die ja so notwendig sind für die kulturelle Weiterentwicklung, das dürfte noch wenig durch die Evolutionäre Psychologie erklärt sein. Sie zahlen einen hohen Preis und mitunter ist ihr Tun getragen von hohem Altruismus.
______________________________________________
1. Henkel, J. (2018): Rezension von: Joseph Henrich’s: The secret of our success - how culture is driving human evolution, domesticating our species, and making us smarter. Journal of Bioeconomics. doi:10.1007/s10818-018-9275-1
url to share this paper: sci-hub.tw/10.1007/s10818-018-9275-1, https://link.springer.com/article/10.1007/s10818-018-9275-1
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Die menschliche Kulturpsychologie hält viele Geheimnisse bereit. In einem neuen evolutionspsychologischen Buch wird manches Geheimnis berührt und auf dasselbe neues Licht geworfen. Ein Rezensent hält darüber fest (1):
"Intriguingly, cultural techniques are often acquired and used without people in the community knowing how they work or why they are needed. People in small-scale societies usually name “customs” as the main reason behind some cultural rituals like food processing. This processing often consists of causally opaque techniques, like putting ash in a corn mix before heating, to avoid niacin deficiency. A lot of harm or even death may result from not using those cultural rituals and these societies would be worse off if they would not use them. Sometimes these rituals only work if people do not know why they use them (e.g. divination to avoid problems with the Gambler’s fallacy)."
Hier geht es also um gesunde Nahrungszubereitung in Naturvölkern, die über die Generationen hinweg als "Brauch", "Gewohnheit" aufrecht erhalten wird, obwohl die Menschen gar nicht (mehr) wissen, welchen Sinn dieser "Brauch'" eigentlich hat, während hinwiederum die moderne Wissenschaft durchaus erkennt, daß ein solcher Brauch einen Sinn hatte und hat. Gerne kann der Fortbestand eines Brauches, einer Gewohnheit über die Generationen hinweg auch abgesichert werden, indem er in geheilige Rituale eingebunden ist oder in Bezug zu ihnen gesetzt wird.
Was also geschieht, wenn ein Volk von seinen traditionellen Bräuchen, Sitten und Gewohnheiten getrennt und entfernt wird? Es geht damit auch die unbewußte Weisheit verloren, die in diesen Bräuchen, Sitten und Gewohnheiten enthalten ist. So etwa die Weisheit, daß gemeinsames Singen lebenszugewandter seelenvoller Lieder, gemeinsames Tanzen lebenszugewandter, seelenvoller Tänze - wie dies Jahrtausende lang in unseren Breitengraden üblich war - der seelischen Gesunderhaltung der Menschen über viele, viele Generationen hinweg gedient hat und auch heute noch dienen könnte - wenn es denn nicht lebens-, kultur- und gemeinschaftsfeindliche Ideologien gäbe, die uns schon seit Jahrzehnten solche Bräuche lächerlich zu machen bemüht sind und an Stelle derselben lebensfeindliche Bräuche, Sitten und Gewohnheiten setzen wollen.
Mit "Gamler's fallacy" ist übrigens der "Spielerfehlschluß" gemeint, der darin besteht (siehe Wikipedia), daß man glaubt, daß wenn lange Zeit ein zufälliges Ereignis nicht mehr eingetreten ist, die Wahrscheinlichkeit, daß es eintreten wird, erhöht sei. Dem ist aber nicht so. Ein zufälliges Ereignis bleibt immer ein zufälliges Ereignis und wird durch die "Vorgeschichte" anderer zufälliger Ereignisse nicht beeinflusst. (Welcher Zusammenhang allerdings zu der Beibehaltung von Bräuchen bestehen soll, deren eigentlichen Sinn man oft gar nicht mehr recht versteht, sei hier dahin gestellt.)
Joseph Henrich ist desweiteren ein Anhänger der Gruppenselektions-Theorie (1):
"One of the most important factors for spreading pro-social norms in a group seems to be intergroup competition. The group which possesses better social norms could be able to wipe out or assimilate another group with inferior social norms."
Diese Gruppenselektion dürfte bei der Entstehung von Völkern, die nachmalig großen kulturellen und demographischen Erfolg hatten wie den Indogermanen, den Bandkeramikern oder dem anatolisch-neolithischen Volk, das um 6.500 v. Ztr. entstand, eine keineswegs geringe Rolle gespielt haben. Auch ihre erfolgreiche Ausbreitung stellt ja eine Form von Gruppenselektion dar. Ganz richtig heißt es in der Rezension (1):
"A tribal band with better social norms could just be able to outlast another one in harsh and hostile environments. Different social norms can also spread through migration, learning, and adopting from more successful groups. Intergroup competition, therefore, shapes cultural evolution in a big way. Over time it leads to bigger community sizes and more political complexity which again lead to even more effective social bonding."
Gruppen werden zusammengehalten von der schon von Elisabeth Noelle-Neumann ("Die Schweigespirale") so gut erforschten "Isolationsangst". Henrich spricht anstelle dessen von "norm violaters", also von Menschen, die die Gruppennorm infrage stellen und deshalb - in den Worten Noelle-Neumanns - mit Isolation und Ausgrenzung bestraft werden.
Warum es aber eben auch diese "norm violaters" gibt, die ja so notwendig sind für die kulturelle Weiterentwicklung, das dürfte noch wenig durch die Evolutionäre Psychologie erklärt sein. Sie zahlen einen hohen Preis und mitunter ist ihr Tun getragen von hohem Altruismus.
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1. Henkel, J. (2018): Rezension von: Joseph Henrich’s: The secret of our success - how culture is driving human evolution, domesticating our species, and making us smarter. Journal of Bioeconomics. doi:10.1007/s10818-018-9275-1
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Donnerstag, 13. September 2018
Die schwedischen Wikinger - Sie kauften und raubten ihre Sklavinnen aus ganz Europa
Die schwedischen Wikinger - Sie kauften und raubten ihre Sklavinnen aus ganz Europa
32 Skelette aus der frühmittelalterlichen, wikingerzeitlichen schwedischen Königsstadt Sigtuna (10. bis 12. Jahrhundert) wurden per Ancient-DNA-Analyse untersucht. Bei sechs von ihnen konnten blonde Haare und blaue Augen festgestellt werden. Ansonsten lautet das Ergebnis (2):
"The genetic diversity in the late Viking Age was greater than the genetic diversity in late Neolithic and Bronze Age cultures (Unetice and Yamnaya as examples) and modern East Asians; it was on par with Roman soldiers in England but lower than in modern-day European groups."
Die genetische Herkunftsvielfalt der Einwohner dieser Wikingerstadt ist also mit derjenigen der römischen Soldaten an den Grenzen des Römischen Reiches vor der Völkerwanderung zu vergleichen. Sie war höher als sie nachfolgend in vielen Jahrhunderten in Europa war, höher ebenfalls als im heutigen Ostasien.
Sigtuna liegt 50 Kilometer nördlich von Stockholm im Inland, ist aber über Wasserwege mit der Ostsee verbunden. Sigtuna gilt als die älteste Stadt Schwedens. Man wird annehmen, daß eine solche Stadt - ebenso wie andere Städte des europäischen Frühmittelalters - eine viel höhere ethnische Vielfalt aufwies als es schon die nähere, umliegende ländliche Region getan haben wird.
70 % der untersuchten Frauen, aber nur 44 % der Männer waren nach der Studie nicht-schwedischer Herkunft. Man darf also weiterhin davon ausgehen, daß die Wikinger vor allem Frauen von ihren Handels- und Raubzügen mitgebracht haben. Das war ja auch schon von Island bekannt und paßt inzwischen in ein allgemeineres weltgeschichtliches Muster.
Einige Frauen stammten aus der wikingischen Königsstadt Novgorod der "Rus", worauf auch schon die beigegebene Keramik verwiesen hatte. Einige stammten aus Litauen, andere aus Norddeutschland, wiederum andere aus England und der Ukraine. Dies wird deutlich in der Hauptkomponenten-Analyse (s. Abb.).
_____________________________________________________
1. https://ars.els-cdn.com/content/image/1-s2.0-S0960982218308443-gr2_lrg.jpg
2. Genomic and Strontium Isotope Variation Reveal Immigration Patterns in a Viking Age Town. By MajaKrzewińska, Current Biology, 2018, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982218308443
3. Wikingerstadt Sigtuna war kosmopolitisch. In: Damals.de, 2018, https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/wikingerstadt-sigtuna-war-kosmopolitisch/
32 Skelette aus der frühmittelalterlichen, wikingerzeitlichen schwedischen Königsstadt Sigtuna (10. bis 12. Jahrhundert) wurden per Ancient-DNA-Analyse untersucht. Bei sechs von ihnen konnten blonde Haare und blaue Augen festgestellt werden. Ansonsten lautet das Ergebnis (2):
"The genetic diversity in the late Viking Age was greater than the genetic diversity in late Neolithic and Bronze Age cultures (Unetice and Yamnaya as examples) and modern East Asians; it was on par with Roman soldiers in England but lower than in modern-day European groups."
Die genetische Herkunftsvielfalt der Einwohner dieser Wikingerstadt ist also mit derjenigen der römischen Soldaten an den Grenzen des Römischen Reiches vor der Völkerwanderung zu vergleichen. Sie war höher als sie nachfolgend in vielen Jahrhunderten in Europa war, höher ebenfalls als im heutigen Ostasien.
Sigtuna liegt 50 Kilometer nördlich von Stockholm im Inland, ist aber über Wasserwege mit der Ostsee verbunden. Sigtuna gilt als die älteste Stadt Schwedens. Man wird annehmen, daß eine solche Stadt - ebenso wie andere Städte des europäischen Frühmittelalters - eine viel höhere ethnische Vielfalt aufwies als es schon die nähere, umliegende ländliche Region getan haben wird.
70 % der untersuchten Frauen, aber nur 44 % der Männer waren nach der Studie nicht-schwedischer Herkunft. Man darf also weiterhin davon ausgehen, daß die Wikinger vor allem Frauen von ihren Handels- und Raubzügen mitgebracht haben. Das war ja auch schon von Island bekannt und paßt inzwischen in ein allgemeineres weltgeschichtliches Muster.
Einige Frauen stammten aus der wikingischen Königsstadt Novgorod der "Rus", worauf auch schon die beigegebene Keramik verwiesen hatte. Einige stammten aus Litauen, andere aus Norddeutschland, wiederum andere aus England und der Ukraine. Dies wird deutlich in der Hauptkomponenten-Analyse (s. Abb.).
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1. https://ars.els-cdn.com/content/image/1-s2.0-S0960982218308443-gr2_lrg.jpg
2. Genomic and Strontium Isotope Variation Reveal Immigration Patterns in a Viking Age Town. By MajaKrzewińska, Current Biology, 2018, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982218308443
3. Wikingerstadt Sigtuna war kosmopolitisch. In: Damals.de, 2018, https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/wikingerstadt-sigtuna-war-kosmopolitisch/
Dienstag, 11. September 2018
Schizophrenie in Asien anders evoluiert als in Europa
Schizophrenie in Asien anders evoluiert als in Europa
Die meisten genetischen Risikofaktoren für Schizophrenie treten jeweils nur in einer Rasse auf, entweder bei den Ostasiaten oder bei den Europäern, selten gemeinsam.
_____________________________________
1. GWAS‐identified schizophrenia risk SNPs at TSPAN18 are highly diverged between Europeans and East Asians. By Jiewei Liu, Ming Li , Bing Su; First published: 17 June 2016 https://doi.org/10.1002/ajmg.b.32471
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ajmg.b.32471?campaign=woletoc#.W5eqzaBWxkA.google_plusone_share
Die meisten genetischen Risikofaktoren für Schizophrenie treten jeweils nur in einer Rasse auf, entweder bei den Ostasiaten oder bei den Europäern, selten gemeinsam.
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1. GWAS‐identified schizophrenia risk SNPs at TSPAN18 are highly diverged between Europeans and East Asians. By Jiewei Liu, Ming Li , Bing Su; First published: 17 June 2016 https://doi.org/10.1002/ajmg.b.32471
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ajmg.b.32471?campaign=woletoc#.W5eqzaBWxkA.google_plusone_share
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