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Samstag, 18. November 2017

Eine neue Studie aus Japan über die Soziobiologie der Arbeitsteilung

Eine neue Studie aus Japan über die Soziobiologie der Arbeitsteilung

Interessanterweise am Fallbeispiel des Abfallbeseitigungs-Managements, das ja in Japan heute noch dringendere Relevanz hat als anderswo

Die soziobiologischen Rationalitäten des Prinzips Arbeitsteilung begleiten meine wissenschaftlichen Interessen seit 1994, seit 1997 habe ich ihnen ein Dissertations-Projekt gewidmet.

Nun beginnen auch zwei japanische Professoren für Evolutionäre Verhaltensforschung, Susumu Ohnuma von Hokkaido und Mayuko Nakamaru aus Tokyo, zusammen mit zwei ihrer Dokoranden im angesehenen "Journal for Theoretical Biology", über das Thema nachzudenken (1). Susumu Ohnuma benennt auf seiner Homepage einige Ausgangspunkte seines Nachdenkens.

Auf den ersten Blick wird mir nicht klar, ob hier die Vorteile von Spezialisierung, die das Prinzip Arbeitsteilung mit sich bringt, überhaupt in Augenschein genommen worden sind. Werden hier nicht nur täuschungsanfällige Kommunikations-Netzwerke mathematisch beschrieben? Auch scheint hier das Konzept Arbeitsteilung nicht in Bezug gesetzt zu werden zu dem grundlegendsten Konzept der Soziobiologie, dem Verwandten-Altruismus.

Somit scheinen die ersten Gedanken der Forscher zu diesem Thema wieder einmal zumindest ähnlich schlicht zu sein wie es meine eigenen am Anfang waren.

Gleich im zweiten Absatz der Studie wurde aber das Prinzip Arbeitsteilung immerhin wieder einmal in eine Reihe gestellt mit den anderen fünf "großen" Konzepten der Soziobiologie. Und das tue ich selbst schon seit 1994, das ist bislang aber sonst nur selten konsequenter getan worden. Schon deshalb muß einem diese Studie bemerkenswert erscheinen. Es dürfte doch auch interessant erscheinen, daß keines der anderen fünf Konzepte die heutige Forschung voll und ganz befriedigt bei der Erklärung des Altruismus, den wir in unserer Gesellschaft vorliegen sehen. Und deshalb sei dieser Absatz hier noch einmal wiederholt:

"Five conditions for the evolution of cooperation can be posited: kin selection, group selection, direct reciprocity, indirect reciprocity, and network reciprocity. Besides these five categories, the effect of punishment on the evolution of cooperation has also been studied. Many previous studies assume players are peers. In actual, empirical contexts we cooperate not only with peers, but also among players with different social roles, between a leader and a subordinate, within groups under hierarchy, or among groups which exhibit hierarchical relationships. In this paper, we focus on cooperation in the division of labor."

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  1. The effect of sanctions on the evolution of cooperation in linear division of Labor, Journal of Theoretical Biology, 2017, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022519317304708
  2. https://www.let.hokudai.ac.jp/en/staff/4-2-03/

Sonntag, 3. September 2017

Irenäus Eibl-Eibesfeld als Diskutant in Fernseh-Gesprächsrunden

Irenäus Eibl-Eibesfeld als Diskutant in Fernseh-Gesprächsrunden

Hier sollen einmal einige Eindrücke von Irenäus Eibl-Eibesfeldt als Diskutant in Fernseh-Gesprächsrunden zusammengestellt sein, die derzeit auf Youtube schon verfügbar sind. Ein wenig - allerdings längst nicht ausreichend - machen sie die Breite des naturwissenschaftlichen Forschungsstandes deutlich, von dem aus Eibl-Eibesfeldt argumentiert. Ein wenig - allerdings längst nicht ausreichend - machen sie auch seine Sorge deutlich um den Fortbestand unserer Kultur, etwa ausgedrückt durch Hinweis auf die vielen reich differenzierten menschlichen Kulturen, die schon untergegangen sind (2.c).

Auch spricht er an einer Stelle davon (2.d), um einem solchen (demographischen) Untergang gegenzusteuern, daß langjährige Elternschaft, die das für das Überleben von Gesellschaften in streßreichen Zeiten so unglaublich wesentliche Urvertrauen schafft, das im Erwachsenenalter die Fähigkeit verleiht, einen eigenen Lebensstil auch gegen Widerstände der Umwelt zu leben, schlicht als eine berufliche Tätigkeit durch Bezahlung auch vergütet werden muß, eben weil sie so ungeheuer wichtig ist.

Welcher prominente Wissenschaftler fordert das eigentlich noch heute?

Verantwortungsbewußte Stimmen wie Eibl-Eibesfeldt finden seit Jahren in der Öffentlichkeit und in der Politik kaum noch Gehör. Konrad Lorenz konnte gegen den Mißbrauch der Atomkraft noch Teilerfolge erzielen (Verhinderung von Zwentendorf), gegen die massive Zerstörung der sozialen menschlichen Beziehungen in einer Gesellschaft werden längst nicht mehr in einem vergleichbaren Umfang wissenschaftliche Stimmen laut.

Wir brauchen nicht nur eine Umweltschutz-Bewegung, wir brauchen endlich auch eine Menschenschutz-Bewegung, eine Bewegung zum Schutz und zum Erhalt wertvollen menschlichen seelischen Lebens auf dieser Erde, das vor allem menschliches Gemeinschaftsleben auf allen Ebenen schützen muß: in der Kindheit, in der Familie, in der Ehe, im Volk und im Verhalten der Völker und Kulturen zueinander.

Die zerstörerischen Atomkraftwerke heißen hier zum Beispiel: Barbarei in den Medien, in der Politik, in der Gesetzgebung, in der mangelnden Strafverfolgung von gemeinschaftsschädigendem Verhalten durch Politiker, Medienleute, elitären Thinktanks, Banken und Geheimdienste. Das allein können die Forderungen einer Menschenschutz-Bewegung sein. "Moralische Barbarei der gesellschaftlichen Eliten? - Nein danke!" muß der entsprechende Aufkleber also benannt sein. Und es muß auf der entsprechenden Linie eine breite argumentative Front - ausgehend vom naturwissenschaftlichen Forschungsstand - erarbeitet und kraftvoll vorgetragen werden.

Hierzu bedarf es einer neuen "Frankfurter Schule", diesmal aber wirklich zur gesellschaftlichen Befreiung und nicht zur Propagierung verquasteter und veralterer, überlebter und abgestandener, wirklichkeitsfremder, durchstilisierter Ideologien, die der Sache nach sowieso längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet sind.

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  1. Die Graugans und der Mensch. Das Lebenswerk des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz. Nachtstudio 1988, 1 Stunde, https://www.youtube.com/watch?v=hLkWhGieZvQ
  2. Was von Darwin übrig blieb - Die Evolution und ihre Folgen. Wissenschaftsforum Petersberg, 2010, https://www.youtube.com/watch?v=qAUqIvHuH38 (ab 5'50)
  3. Was von Darwin übrig blieb - Die Evolution und ihre Folgen. Wissenschaftsforum Petersberg, 2010, 2. Teil, https://www.youtube.com/watch?v=YU7lYpgGD3c (ab 3'25)
  4. Was von Darwin übrig blieb - Die Evolution und ihre Folgen. Wissenschaftsforum Petersberg, 2010, 3. Teil: Viele menschliche Kulturen sind untergegangen, https://www.youtube.com/watch?v=r-bBw2T2EOE (ab 7'00)
  5. Was von Darwin übrig blieb - Die Evolution und ihre Folgen. Wissenschaftsforum Petersberg, 2010, 5. Teil: Aus der Evolution stammende Begabungen der Frau, https://www.youtube.com/watch?v=4Fd3-JQAWiM&t=246s (0'15)
  6. Erinnerungen an Konrad Lorenz. Matreier Gespräche, 2012/2013. https://www.youtube.com/watch?v=3qL2NTzPcIY
  7. https://www.youtube.com/watch?v=3qL2NTzPcIY

Sonntag, 22. Februar 2015

Die Produktivität wächst schneller als die Bevölkerung - Zu allen Zeiten überall

Die Produktivität wächst schneller als die Bevölkerung - Zu allen Zeiten überall

Wenn die Produktivität von menschlichen Städten - und damit Zivilisationen - schneller wächst als ihre Bevölkerungsgröße, scheint mir das auch ein starkes Argument dahingehend zu sein, daß der durchschnittliche genetische Verwandtschaftsgrad zwischen diesen Menschen langsamer sinken könnte als die Kosten-Nutzen-Bilanz allen altruistischen Verhaltens zwischen ihnen nach der berühmten Hamilton-Ungleichung K/N>r!

Ein Gedanke, den ich schon vor 20 Jahren in meiner Promotion verfolgt habe. Somit scheint es neuen Anlaß zu geben, das mal genauer durchzurechnen. Soweit ich weiß, ist das bis heute nicht geschehen.

  1. Conover, Emily: Ancient and modern cities obeyed same mathematical rule - Productivity rises faster than population, regardless of culture and time frame, 20.2.2015, http://news.sciencemag.org/archaeology/2015/02/ancient-and-modern-cities-obeyed-same-mathematical-rule?utm_campaign=email-news-weekly&utm_src=email

Freitag, 29. August 2014

Menschen handeln selbstlos - Primaten nicht

Das, finde ich, ist eine spannende Studie, deren Ergebnisse es jetzt gilt, in Bezug zu setzen zu den traditionellen soziobiologischen Theorien des Verwandtenaltruismus nach Hamilton 1964 und zur Social Brain-These von Robin Dunbar. 

Überraschend übrigens, dass man nicht früher auf diesen Zusammenhang gekommen ist. Mal wieder typisch: die einfachsten Zusammenhänge werden erst ganz zuletzt entdeckt. Womöglich ist aber auch zu fragen: Warum gibt es in der einen Art Pflegemutterverhalten und in der anderen nicht. Ist hier proximate und ultimate Erklärungsebene zu unterscheiden? Na, und so weiter.

http://www.spektrum.de/news/warum-menschen-selbstlos-handeln-und-affen-meistens-nicht/1306258